Studium

Deine Karrierechancen in der Pflege

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Wie lässt sich gute Pflege sichern? Am besten mit top Fachkräften, die ihren eigenen Weg gehen wollen. Welche Möglichkeiten du dabei hast und was du mitbringen solltest, haben uns drei Experten verraten.

Ein Artikel von Vincent Aumiller

Viel Verantwortung und Kontakt mit Menschen...
...erwarten dich als Pflegekraft.
© iStockphoto
Viel Verantwortung und Kontakt mit Menschen... Viel Verantwortung und Kontakt mit Menschen...

Woran denkst du, wenn du dir den Pflegeberuf vorstellst? Siehst du vor deinem inneren Auge, wie du einen Patienten sauber machst und dann im Bett wendest? „Das ist die klassische Vorstellung – zu dem Beruf gehört aber viel mehr als das“, sagt Romina Krüger. Wenn die 25-Jährige über ihren Beruf spricht, merkt man, wie sie dafür brennt. „Man lernt so viel über andere Menschen, die Medizin und auch über sich selbst. Es ist einfach eine lohnenswerte Tätigkeit. Wenn du siehst, dass ein Patient deinetwegen lächelt und sich wohlfühlt – das gibt einem schon viel“, erzählt Romina, die im vergangenen Jahr ein duales Studium im Bereich „Gesundheits- und Krankenpflege“ an der Fachhochschule Bielefeld erfolgreich abgeschlossen hat. Ein Studium, das es aber für Studienanfänger nicht mehr gibt, seit ein neues Gesetz in Kraft ist.

Das neue Pflegeberufegesetz gilt seit 2020. Damit möchte die Bundesregierung allen Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren, eine hochwertige und zeitgemäße Ausbildung ermöglichen. Zusätzlich zur beruflichen Pflegeausbildung wurde ein berufsqualifizierendes Pflegestudium eingeführt. Hier startest du direkt mit dem Bachelor-Studium. Es dauert mindestens drei Jahre, als Absolvent_in schließt du als „B.A. Pflegefachfrau/ Pflegefachmann“ ab.

Hoher Bedarf, viele Chancen

„Im internationalen Vergleich ist ein Studium meist die Regel, bei uns bislang eher die Ausnahme“, weiß Romina Krüger aus eigener Erfahrung. „Dabei ist die Akademisierung wichtig, um die Probleme unseres Gesundheitssystems aktiv lösen zu können“, betont sie. Denn in Zeiten des demografischen Wandels steigt der Bedarf an Pflegenden immer weiter. So gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zum Jahresende 2019 bereits 4,1 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland. Prognosen gehen bis 2030 von einer Verdopplung aus. „Die Jobsicherheit der neuen Studierenden ist auf jeden Fall gegeben“, sagt Dr. Pascal Grosse von der Berliner Charité, der größten Universitätsklinik Europas. Er wirkte an der Entwicklung des neuen Studiengangs mit. Außerdem studierst du einen Beruf, der dir viele Türen öffnet. Denn mit dem neuen Gesetz ist das Pflegestudium auch weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus anschlussfähig.

Du bist also international mobil, was deinen Arbeitsplatz betrifft. Aber warum sollten Abiturienten sich für diesen Weg entscheiden, ist in den Medien doch immer wieder von schlechten Arbeitsbedingungen und der niedrigen Bezahlung die Rede? „Wer jetzt anfängt zu studieren, dem stehen viele Wege offen. Diese junge Generation kann das Berufsfeld aktiv gestalten. Beispielsweise im Bereich Digitalisierung und Technik, etwa unter Einbezug von Robotern“, erklärt Dr. Asja Maaz, die den Bachelor-Studiengang an der Charité koordiniert. Sie streicht den Mehrwert des akademischen Wegs in den Pflegeberuf heraus: „Absolvent_innen können genauso am Bett arbeiten. Das Profil unterscheidet sich aber dahingehend, dass sie ihr Handeln in den Kontext wissenschaftlicher Erkenntnisse setzen können.“ Zudem sei die Bezahlung im Vergleich zur Ausbildung besser und: „Es gibt immer die Möglichkeit, sich durch einen Master zu spezialisieren und sich dann im Sinne einer Promotion weiterzuqualifizieren“, so Maaz.

Hier kannst du deinen eigenen Weg gehen

Den Master strebt auch Romina Krüger an. Dazu gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten: „In welche Richtung es bei mir geht, weiß ich noch nicht genau“, sagt sie. Als Optionen zählt sie die Bereiche Pflegepädagogik, Pflegemanagement, Palliativpflege oder Advanced Nursing Practice auf. „Die Voraussetzungen in der Pflege sind ideal, um seinen eigenen Weg zu gehen“, sagt sie. Apropos Voraussetzungen: Welche Eigenschaften sollten Studienanfänger für den Bereich Pflege mitbringen? „Elementar ist die Freude daran, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten. Zudem solltest du ein Teamplayer sein – sowohl im Zusammenspiel mit den Patienten als auch mit anderen Berufsgruppen“, erklärt Romina.

Mit einem Augenzwinkern ergänzt sie: „Langschläfer haben es in unserem Beruf eher schwer, denn auf Nachtdienste muss man sich einstellen.“ Dr. Pascal Grosse verweist auf einen weiteren Aspekt: „Viele sind an medizinischen Themen interessiert, scheuen aber das Medizinstudium wegen der hohen Zulassungshürden oder weil sie nicht noch eine lang- jährige Facharztausbildung an ihr Studium hängen möchten. Für diejenigen ist ein Pflegestudium durchaus interessant, gerade im Hinblick auf die Entwicklungsmöglichkeiten.“

Für alle, die zupacken können

Selbstverständlich solltest du auch zupacken können und darüber hinaus physisch und psychisch belastbar sein. Ein Beruf der puren Nächstenliebe sei die Pflege längst nicht mehr, betont Romina. Genau hier setzt der neue Studiengang an. Es geht um vertieftes Wissen und – ganz wichtig – darum, die Pflege und ihre Herausforderungen sichtbar zu machen. „Die Absolvent_innen sollen mit Ärzten auf Augenhöhe zusammenarbeiten und so Kompetenzen zum Wohl der Patienten bündeln“, sagt Dr. Anja Maaz. Das wünscht sich auch Romina: „Durch die verstärkte Akademisierung erhalten wir hoffentlich eine lautere Stimme und viele junge Menschen als Verstärkung.“ Der Bedarf ist riesig.

Pflege studieren

Krankenpflege, Kinderkrankenpflege oder Altenpflege – diese Frage musst du dir nicht mehr vor Antritt der Ausbildung stellen:

Denn mit dem neuen Pflegeberufegesetz wurden die drei Berufsbilder zu einer generalistischen Ausbildung mit dem Abschluss als Pflegefachfrau/-fachmann zusammengeführt. Neben einer beruflichen Pflegeausbildung gibt es zudem die Möglichkeit, den Berufsabschluss durch ein Studium zu erwerben.

Voraussetzung: (Fach)-Hochschulreife oder eine abgeschlossene Ausbildung zur/m Pflegefachfrau/-fachmann und ggf. Berufserfahrung. Die genauen Zugangsvoraussetzungen regeln die Landeshochschulgesetze. Zudem findest du sie auf den Webseiten der Hochschulen.

Dauer: Mindestens 3 Jahre. Je nach Studiengangskonzept benötigst du in Vollzeit eine Regelstudienzeit von sieben Semestern (210 ECTS-Punkte) oder acht Semestern (240 ECTS-Punkte).

Beginn: jeweils im Wintersemester Ablauf: Wechsel von Lehrveranstaltungen und Praxiseinsätzen. Im Unterschied zum früheren dualen Studium erhältst du kein Ausbildungsentgelt.

Abschluss: Du schließt das Studium als Pflegefachfrau/Pflegefachmann mit Bachelortitel ab.