VIP-Interview

„Schule war eine geile Zeit“

Lesedauer: 7 min

Mit „Vielleicht irgendwann“ hat Wincent Weiss gerade sein drittes Album veröffentlicht. Zuletzt war er auch als Coach bei „The Voice Kids“ im Einsatz. Dabei plante der Sänger einmal, einen ganz anderen Karriereweg einzuschlagen.

Ein Artikel von Denis Dworatschek

Sänger, Model und Coach
Wincent Weiss war bei der vergangenen Staffel von „The Voice Kids“ ein Coach. Vor wenigen Wochen erschien sein drittes Studioalbum.
© Marvin Ströter
Sänger, Model und Coach Sänger, Model und Coach

Wincent Weiss, „Vielleicht irgendwann“ ist dein drittes Studioalbum. Hat sich da mittlerweile so etwas wie eine Routine eingeschlichen?
Nee, ich glaube nicht. Man kann zwar schon von einer Routine sprechen, weil jetzt alle zwei Jahre ein Album erschienen ist. Das nächste geht vielleicht noch schneller, da ich ja aktuell viel Zeit zum Schreiben habe und keine Konzerte spielen kann. Eine Routine ist aber noch nicht da und die ich will auch nicht. Man ist nie rechtzeitig fertig mit dem Schreiben. Ich möchte mich darauf freuen können, etwas Neues zu erschaffen.

Wie verlief die Entstehung des neuen Albums?
An dem neuen Album habe ich am intensivsten gearbeitet. Meine ersten beiden Platten entstanden mehr so nebenbei. Mein zweites Album „Irgendwie anders“ habe ich zwischen Festivals und Konzerten geschrieben und aufgenommen. Für „Vielleicht irgendwann“ hatten wir das erste Mal so richtig Zeit, obwohl es dann zum Ende hin trotzdem stressig wurde. Aber wir haben so viel geschrieben, wie wir wollten und viel Neues in der Produktion ausprobiert. So sind die Songs sehr unterschiedlich geworden. Das lag auch an der Zwangspause durch die Corona-Pandemie.

Wie fühlte sich die Corona-Zwangspause für dich an?
Am Anfang ist alles zusammengebrochen. Es gab keine Live-Termine mehr. Man wurde von 1.000 Prozent Arbeit auf null gesetzt. Und eben nicht, weil man das selbst wollte. Das war schon ein harter Schlag. Doch irgendwann konnte ich die positiven Dinge erkennen. Zum Beispiel hatte ich mehr Zeit für mich und habe über die vergangenen Jahre nachgedacht. Ich hatte Zeit für Selbstreflexion, für Familie und für Freunde. Ich habe das Beste daraus gemacht – und das ist auf dem Album jetzt für alle zu hören.

Hast du schon damals in deiner Schulzeit von einer Musikkarriere geträumt?
Geträumt schon. Aber ich habe mich nicht getraut, so richtig daran zu glauben. Ich dachte immer, wenn man davon träumt, Profi-Fußballer zu werden, dann ist das ein Traum, der einfach sehr, sehr weit weg ist. Wer wird denn schon Profi-Fußballer? Und genau so war das auch bei mir mit der Musik. Ich wollte gerne Musik machen, aber ich habe es mir immer so  vorgestellt, dass ich vielleicht irgendwann einmal am Wochenende in einem Café oder einer Bar Gitarre spiele und singe. Das war mein Traum vom Musiker-Werden. Dass das jetzt so ausgeartet ist und in solche Dimensionen schießt, habe ich nicht erwartet. Es war eher der Gedanke, dass ich ein Leben lang Musik mache – neben meinem richtigen Job. Aber ich habe es nie zu einem richtigen Job geschafft. (lacht)

2013 warst du bei DSDS dabei. Du bist aber ausgeschieden. War da Musik noch mehr Hobby oder schon dein Berufswunsch?
Nein, damals war es ein totales Hobby. Das hat man da auch gemerkt. Deswegen hat es wahrscheinlich nicht gereicht. Ich habe dann jahrelang keine Musik mehr gemacht. Stattdessen wollte ich mein Abi nachholen, in der Gastronomie Fuß fassen und arbeiten. Dann kam nach und nach die Musik wieder und wurde immer wichtiger.

Du hast dein Abi nachgeholt. Wie lief das ab?
Ich war ja ursprünglich auf dem Gymnasium und da super, super faul. Ich bin sitzen geblieben und deswegen nach der siebten Klasse auf die Realschule gewechselt. Ich wollte aber unbedingt Abi machen. Natürlich ziehen einen die Eltern mit und geben Ratschläge. Aber es gibt eben Phasen, wo man keinen Bock mehr auf Schule hat. An den Punkt kommt wahrscheinlich jeder einmal. Doch ich wollte dann unbedingt einen guten Abschluss machen, damit ich später viele berufliche Möglichkeiten habe. Mein Abi habe ich bisher zwar nicht gebraucht, aber ich habe sehr viel gelernt. Auf dem Wirtschaftsgymnasium fand ich es richtig geil, weil es da Themen gab, die mich interessierten. Statt Bio, Chemie oder Deutsch hatte ich dann Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Rechnungswesen als Hauptfächer. Und das war viel interessanter als früher auf der Realschule.

Waren das dann deine Lieblingsfächer?
Meine Lieblingsfächer waren alle die, die etwas praxisorientierter waren. VWL fand ich später zu trocken. Aber BWL war sehr anschaulich, weil es hier viele Beispiele gab. Da wurden Firmen auseinandergenommen und detailliert betrachtet. Mir gefielen grundsätzlich die Fächer besser, in denen es darum ging, Zusammenhänge zu verstehen, als diejenigen, in denen ich etwas auswendig lernen musste.

Die Karriere

Wincent Weiss

2020: Coach bei „The Voice Kids“

2019: Zweites Album „Irgendwie anders“ erscheint

2018: Echo in der Kategorie „Newcomer National“

2017: Mitglied bei der ESC-Jury

2016: Exklusiv-Model bei der Versace-Modenschau in Mailand

2015: Erste Solosingle „Regenbogen“ veröffentlicht

2013: Teilnahme bei DSDS

1993: In Bad Oldesloe geboren

Musik hat nicht zu deinen Lieblingsfächern gehört?
Ich hatte das gar nicht so richtig. Auf dem Gymnasium hatte ich das letzte Mal Musikunterricht. Danach hatten wir ganz oft Lehrermangel. Dann mussten einige Fächer beiseitegeschoben werden. Weder in der Realschule noch später auf dem Wirtschaftsgymnasium hatte ich Musik. Zwar gab’s eine Theater- und Musical-AG, die ich besucht habe, um auf der Bühne zu stehen. Richtig musiziert habe ich aber nur in einer Bläser-AG, in der ich Horn gespielt habe.

Wie war deine Schulzeit allgemein?
Ich fand die Schulzeit super. Das war doch eine geile Zeit. Nachmittags frei. Ferien. Ich habe super viel gelernt. Bin auch immer noch super gut connectet mit meinem Klassenlehrer. Den sehe ich ab und zu und hole mir Ratschläge, weil er eben BWL aus dem Effeff kann. Ich war natürlich sehr faul und habe viel zu oft geschwänzt. Da ich direkt neben der Schule gewohnt habe, dachte ich mir manchmal in der großen Pause, jetzt gehst du kurz nach Hause und legst dich aufs Sofa. Ich bin dann halt erst drei Stunden später wieder aufgewacht. Das war rückblickend nicht so gut. Aber sonst war es eine wahnsinnig coole Zeit.

Ist deine Schulzeit heute noch für dich Inspiration für Songs?
Bei mir ging es erst mit 17, 18 los mit dem Songwriting. Damals auf Englisch und eher depressiv, weil ich sehr viel Metal zu der Zeit gehört habe. Aber die Schulzeit mit den Freundschaften, die bis heute halten, bietet immer noch Stoff für Song-Inspirationen. Vor allem erdet sie mich. Die Leute, die mich aus der Schulzeit kennen, behandeln mich noch immer wie ihren Mitschüler von damals. Wincent Weiss vom Dorf. Das ist heute anders. Da lernen mich alle als Wincent Weiss, den Musiker, kennen.

Ganz persönlich

Meine größte Herausforderung… war es, selbständig zu werden. Ich bin nach der Schule allein nach München gezogen.

Familie ist mir… das Wichtigste. Daheim teile ich mir das Zimmer immer mit meiner Schwester – wenn ich mal zu Hause bin.

Meine größte Schwäche ist… mein Zeitmanagement. Ich mache immer sehr viele Baustellen auf und muss dann feststellen, dass der Tag eben nur 24 Stunden hat und gar nicht alles reinpasst.

Mein schönster Job war... Coach bei „The Voice Kids“ zu sein. Weil für mich Arbeit mit Kindern die wertvollste Arbeit überhaupt ist. Die quatschen einfach drauflos und sind herrlich ehrlich.

Mich hat geprägt, dass… ich lange Einzelkind war. Mit elf Jahren habe ich erst eine Schwester bekommen.

Umgezogen bin ich schon... 15 Mal. Erst vor wenigen Monaten bin ich wieder nach München gezogen.

Hast du mal überlegt zu studieren?
Ja, ich wollte studieren. Eine Zeit lang hat mich Logopädie für Kinder interessiert. Und BWL. Ich wollte mich auch immer selbstständig machen und nie angestellt sein. Deswegen hat mich das Fach Betriebswirtschaftslehre so gepackt. Daher wäre es wohl am ehesten in diese Richtung gegangen. Aber ich glaube, ich hatte einen zu schlechten Notenschnitt.

Was war denn der Abi-Schnitt?
2,8. Aber ich habe nie mein Abi-Zeugnis gesehen. Damals bin ich direkt nach der letzten Klausur nach München gezogen, um Musik zu machen. Ich wollte eigentlich nur zwei Wochen bleiben und war dann drei Jahre dort. Da ich meine Schulbücher nicht abgegeben habe, hat mein Lehrer gesagt, ich bekomme mein Zeugnis nicht. Irgendwann hat meine Mom die zurückgebracht und das Zeugnis geholt.

Wie war es bei „The Voice Kids“ Coach für die Kinder zu sein?
Ich wollte schon immer mit Kindern zusammenarbeiten. Während meiner Schulzeit habe ich viele Praktika in Kindergärten gemacht. Wollte sogar einmal Kindergärtner werden. Habe auch früher Turnunterricht gegeben. Aber bei „The Voice Kids“ konnte ich dann endlich mit Kindern zusammenarbeiten und mit ihnen Musik machen. Das war eine riesige Bereicherung für mich.

Vielen Dank für das Interview!