Studium

Naturschutz 2.0

Lesedauer: 5 min

Mit Innovationen aus IT und Technik retten Start-ups unsere Umwelt. Wie Ihnen das gelingt – und wie du mit einem grünen Studiengang deinen Teil zu Nachhaltigkeit und Naturschutz beitragen kannst, erfährst du im Artikel.

Ein Artikel von Linda Kauer

Klimaschutz
Unverzichtbar für grüne Innovationen: Know-how in IT und Technik.
© iStockphoto
Klimaschutz Klimaschutz

Kohlekraftwerke abschalten, Flugverkehr einschränken und erneuerbare Energien vorantreiben: Das sind drei der Forderungen, die Schüler, Studenten und Wissenschaftler der weltweiten „Fridays for Future“-Klimabewegung an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft stellen. Sie haben erkannt: Der Klimawandel ist die drängendste Herausforderung unserer Zeit und braucht sofortige Lösungen.

Mit ihrem Aktionismus sind sie nicht allein. Auch immer mehr junge Gründer machen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu ihrem Thema – jedes vierte Start-up in Deutschland  entwickelt bereits Produkte oder Dienstleistungen, die zum Klimaschutz beitragen. Unverzichtbar für die Innovationen? Know-how in IT und Technik. Denn nur, wer sich mit Elektronik, Informatik oder Ingenieurwissenschaften auskennt, kann elektrische Antriebe programmieren, Luftfilteranlagen installieren und nachhaltige Baukonstruktionen planen.

Wir stellen drei Start-ups vor, die mit ihren Ideen die Welt verbessern und zeigen, wie du selbst Teil einer umweltfreundlichen Zukunft werden kannst: Mit einem Studiengang, der nachhaltiges Handeln mit MINT-Fächern verbindet.

1

Smarte Bäume für eine bessere Luft

90 Prozent aller Stadtbewohner atmen jeden Tag verschmutze Luft ein. In Deutschland sterben pro Jahr rund 13.000 Menschen an Krankheiten, die durch Feinstaub ausgelöst werden. Um die Schadstoffe abzubauen, braucht es Pflanzen – und davon gibt es in Metropolen häufig zu wenig. Wie man dort für bessere Luft sorgen kann, zeigt das deutsche Start-up Green City Solutions, gegründet von vier Studienfreunden in Dresden.

Sie entwickelten 2014 ein intelligentes Luftfiltersystem: Der „City Tree“ besteht aus einer vier Meter hohen Mooswand, in der intelligente Sensoren verbaut sind. Die Moose binden CO2, produzieren Sauerstoff und speichern Feuchtigkeit; die Sensoren generieren Daten zum lokalen Klima und der Luftqualität. Wird der City Tree zu trocken, versorgt sich die Wand durch ein Bewässerungssystem selbstständig mit Wasser, Strom dafür liefern Solarpanels.

Zudem können die Betreiber die Filterleistung individuell anpassen. Ein City Tree bindet so jährlich 240 Tonnen Schadstoffe – das entspricht der Leistung von rund 275 echten Bäumen. In zehn Städten gibt es die intelligenten Luftfilter bereits, unter anderem in Oslo, Berlin, Paris und Hongkong.

2

Plastik aus den Meeren filtern

Marcella Hansch war eine gewöhnliche Architekturstudentin – bis sie im Urlaub, während eines Tauchgangs im afrikanischen Kap Verde, eine unschöne Entdeckung machte. „Ich habe mich erschrocken, weil mich etwas im Wasser berührt hat. Wie sich herausgestellt hat, war es kein Fisch, sondern Plastik“, sagt sie in einem Interview mit Focus Online. „In diesem Moment habe ich realisiert, wie viel Müll um mich herum im Wasser schwamm.“ Insgesamt 150 Millionen Tonnen Plastik befinden sich in unseren Weltmeeren – laut Studien der UN könnte es bis zum Jahr 2050 sogar mehr Müll als Fische in den Ozeanen geben. 

Marcella beschloss, etwas dagegen zu unternehmen: In ihrer Masterarbeit konstruierte sie die Plattform „Pacific Garbage Screening“ (PGS) und gründete anschließend das gleichnamige Start-up. Mittlerweile hat sie ein Team von Ingenieuren und Meeresbiologen um sich, die ihre Idee weiterentwickeln: PGS ist eine schwimmende Plattform, die direkt in den Müllstrudeln im Ozean verankert wird. Ein Kanalsystem unter der Plattform beruhigt die Meeresströmung, sodass die leichten Plastikteile an die Oberfläche gelangen und abgeschöpft werden können.

Die Konstruktion funktioniert ohne Netze – Fische und andere Lebewesen schwimmen unversehrt hindurch. Das abgeschöpfte Plastik wird anschließend direkt auf der Plattform verwertet. In fünf Jahren will das PGS-Team den ersten Prototypen ins Wasser lassen.

3

Unterwegs im Flugtaxi

Deutsche Autofahrer stehen rund 120 Stunden pro Jahr im Stau. Die überfüllten Straßen strapazieren nicht nur unsere Nerven, sondern auch die Umwelt: 2018 waren Fahrzeuge in der Bundesrepublik für die Emission von 115 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich.

Eine Alternative zum Straßenverkehr entwickelt das Start-up Lilium, das 2015 von vier Studenten der Technischen Universität München gegründet wurde. Ihre Idee: Ein elektrisches Flugtaxi – umweltfreundlich, leise, schnell und massentauglich. Der Antrieb des Lilium-Jets besteht aus 36 Elektromotoren, damit befördert er insgesamt fünf Passagiere innerhalb einer Stunde bis zu 300 Kilometer weit.

Weitere Vorteile: Das Flugtaxi startet senkrecht in die Luft und kann damit nicht nur an Flughäfen, sondern an sämtlichen Helikopterpads starten und landen. Zudem ist die Kapazität im Luftraum deutlich größer als auf der Straße: Laut den Entwicklern könnten Jets auf einer „Luftautobahn“ zwischen Stuttgart und München auf bis zu 100 Spuren fliegen. Mittlerweile hat die Firma mehr als 300 Mitarbeiter und 100 Millionen Dollar Investitionskapital. 2019 absolvierte ein Prototyp erfolgreich seinen ersten Flug – 2025 soll der Jet bereits in mehreren Städten im Einsatz sein.